Episode 9

Säulen #9: Daniel H. Pink: Mehr Bonus, weniger Zusammenarbeit

In dieser Folge geht es um eine der unbequemsten Wahrheiten für Führung.

Du kannst Menschen nicht motivieren.

Ich nehme dich mit in die Welt von Daniel H. Pink und der Frage, was Motivation in Organisationen wirklich antreibt. Und was sie kaputt macht.

Denn vieles von dem, was wir in Unternehmen immer noch tun, basiert auf einem alten Verständnis. Mehr Druck. Mehr Bonus. Mehr Kontrolle. Und die Hoffnung, dass dann schon Leistung entsteht.

Das Problem ist: Genau das funktioniert in moderner Arbeit oft nicht mehr.

Sobald Arbeit komplex wird, kreativ, sozial verflochten, kippt das System. Individuelle Boni führen plötzlich dazu, dass Wissen gehortet wird. Dass Menschen auf ihren eigenen Score optimieren. Und dass Zusammenarbeit leise stirbt. Nicht im Konflikt. Sondern irgendwo in einem Excel.

Ich spreche darüber, was Pink stattdessen zeigt.

Motivation entsteht nicht durch Anreize. Sie entsteht durch Bedingungen.

Durch Autonomie. Durch die Möglichkeit, besser zu werden. Und durch das Gefühl, dass die eigene Arbeit einen Unterschied macht.

Und ich spreche darüber, warum genau das so oft schiefläuft.

Warum wir Eigenverantwortung predigen und gleichzeitig Kontrolle ausüben.

Warum wir Zusammenarbeit wollen und gleichzeitig Einzelkämpfer belohnen.

Ein zentraler Gedanke für mich ist:

Führung motiviert nicht. Führung gestaltet Kontexte.

Und genau da wird es praktisch.

Wir schauen uns an, was das für Anreizsysteme bedeutet.

Warum Geld wichtig ist, aber nicht die Lösung.

Und warum die Frage nicht ist: Bonus ja oder nein. Sondern: Für welche Art von Arbeit?

Am Ende bleibt für mich eine ziemlich klare Erkenntnis:

Verhältnisse schaffen Verhalten.

Wenn dir das Verhalten in deiner Organisation nicht gefällt, dann liegt das Problem selten bei den Menschen. Sondern bei dem System, in dem sie arbeiten.

Und genau dort musst du ansetzen, wenn du Veränderung wirklich ernst meinst.

Viel Spaß beim Zuhören!

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Und so erreicht Ihr mich:

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Quellen:

Pink, Daniel H.: Drive: The Surprising Truth About What Motivates Us. Riverhead Books, 2009. Primärquelle für die Episode und Pinks Verdichtung auf Autonomy, Mastery, Purpose.

Ryan, Richard M.; Deci, Edward L.: Self-Determination Theory and the Facilitation of Intrinsic Motivation, Social Development, and Well-Being. American Psychologist 55(1), 2000. Theoretische Basis mit Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit.

Deci, Edward L.; Koestner, Richard; Ryan, Richard M.: A Meta-Analytic Review of Experiments Examining the Effects of Extrinsic Rewards on Intrinsic Motivation. Psychological Bulletin 125(6), 1999. Schlüsselquelle zur Frage, wie extrinsische Belohnungen intrinsische Motivation untergraben können; Meta-Analyse von 128 Studien.

Cerasoli, Christopher P.; Nicklin, Jessica M.; Ford, Michael T.: Intrinsic Motivation and Extrinsic Incentives Jointly Predict Performance: A 40-Year Meta-Analysis. Psychological Bulletin 140(4), 2014. Wichtig für die Unterscheidung: intrinsische Motivation eher Qualitätsleistung, Anreize eher Mengenleistung.

Barnes, Christopher M.; Hollenbeck, John R.; Jundt, Dustin K.; DeRue, D. Scott; Harmon, Stephen J.: Mixing Individual Incentives and Group Incentives: Best of Both Worlds or Social Dilemma? Journal of Management 37(6), 2011. Kernquelle für die These, dass Individualanreize in Teamarbeit Hilfeverhalten und Genauigkeit beschädigen können.

Wood, Stephen; Leoni, Silvia; Ladley, Daniel: Comparisons of the Effects of Individual and Collective Performance-Related Pay on Performance: A Review. Human Resource Management Review 33, 2023. Die beste Übersichtsquelle für den Vergleich individuelle vs. kollektive Leistungsanreize.

Ariely, Dan; Gneezy, Uri; Loewenstein, George; Mazar, Nina: Large Stakes and Big Mistakes. Review of Economic Studies 76(2), 2009. Gute Ergänzung für die Pointe, dass hohe monetäre Anreize Leistung sogar verschlechtern können.

Transcript

Du willst mehr Zusammenarbeit. Also führst du individuelle Uni ein. Und dann passiert etwas,

das in Managementrunden dann als schwierige Haltung missverstanden wird. Die Leute horten Wissen.

Das ist ein Gegenteil von dem, was wir eigentlich schaffen wollten. Sie optimieren auf den eigenen

Score. Sie helfen später, sie denken ein bisschen enger und sie reden strategischer.

Die Zusammenarbeit stirbt nicht im Krawall, sondern irgendwo in einem Excel. Daniel H. Pink hat

genau diesem Führungsmythos den Stecker gezogen. Nicht als Laborforscher, sondern als der Mann,

der einer ganzen Manager-Generation erklären konnte, warum Bonuslogik in der modernen Arbeit oft

mehr kaputt macht, als sie anschiebt. Herzlich Willkommen zu dieser Säulen-Episode. Wir schauen

uns an eine Säule der Veränderungsstabilität, nämlich Daniel H. Pink und was er uns über Motivation

beigebracht hat. Die steile These für heute lautet, für veränderungsstabile Organisationen ist

Motivation kein Hebel, den Führung einfach ziehen kann. Du kannst Menschen nicht von außen mit Sinn

aufladen, wie ein Nacko. Du kannst Druck erzeugen, du kannst ihr Verhalten kaufen, du kannst

Aufmerksamkeit auf Kennzahlen verengen, du kannst Menschen grandios demotivieren, aber dauerhafte,

hochwertige Motivation entsteht nicht auf Zuruch. Sie entsteht in Bedingungen, in denen Menschen

Autonomie erleben, besser werden können und spüren, wofür ihre Arbeit wirklich steht. Und das hat

Pink uns beigebracht. Die Beschäftigung mit Motivation ist wichtig, weil das alte Management

-Betriebssystem immer noch erstaunlich zäh ist. Jahrzehntelang galt, wenn Leistung fehlt, dann

erhöhen wir den Anreiz. Wenn Menschen nicht liefern, dann verschärfen wir die Zielprämie. Wenn

Teams stocken, dann machen wir individuelle Beiträge noch sichtbarer und wir vergüten sie oder

bestrafen sie noch härter. Diese Logik kommt aus einer Welt, in der Arbeit zu großen Teilen

regelbasiert, wiederholbar und eng steuerbar war. Wir nennen das manchmal Terrorismus.

Pink nennt das den Geist der Motivation 2.0. Karotte, Stock, Kontrolle,

Messbarkeit und Gehorsam. Für diese Welt, aus der diese Denke kam, war das nicht komplett

bescheuert. Auch Pink behauptet überhaupt nicht, dass Geld oder Bonuszahlungen klare Belohnungen

nie wirken. Ganz im Gegenteil. Für regelbasierte, routinierte, algorithmische Aufgaben können

solche Anreize funktionieren und Sinn machen. Wo der Weg klar ist, wo die Schritte bekannt sind, wo

Präzision wichtiger ist als Erfindung, da bündeln Belohnungen den Fokus. Und das Problem beginnt

halt dort, wo wir so tun, als sei die Wissensarbeit, über die wir hier viel reden, ein Fließband

mit einem MacBook. Denn genau da kippt halt das Modell. Pink beschreibt die entscheidende

Unterscheidung zwischen algorithmischer und heuristischer Arbeit. Algorithmisch heißt, es gibt

einen bekannten Weg zum Ziel. Heuristisch heißt, der Weg muss erst gefunden werden. Und genau diese

zweite Sorte ist für die moderne Organisation zentral. Strategiearbeit, Produktentwicklung,

Vertrieb in komplexen Märkten, Change, Führung, Problemlösung, Zusammenarbeit über Bereichsgrenzen

hinweg. Sobald Arbeit neu, kreativ, mehrdeutig und sozial verflochten wird, ist der alte

Bonusreflex gefährlich. An dieser Stelle kommt Daniel H. Pink auf die Bühne.

Pink ist kein Urheber der Motivationsforschung, aber ihr vielleicht schärfster Übersetzer für die

Managementpraxis. Genau das macht ihn für diese Reihe relevant. Er war Chief Speechwriter von Al

Gore, schrieb später Bestseller über Arbeit, über Verhalten und über Kreativität und

veröffentlichte dann:

Management Mainstream. Pinks TED-Talk dazu wurde zu einem der populärsten TED-Talks überhaupt.

Das Entscheidende ist aber gar nicht der Ruhm, den er dadurch gekriegt hat. Das Entscheidende ist

sein Verdienst. Er hat Forschung, die lange im psychologischen Fachgespräch lief, in eine Sprache

übersetzt, die Vorstände und Führungskräfte und Beraterinnen nicht mehr ganz so elegant überhören

können. Und er hat das mit einem sauberen, intellektuellen Geständnis getan. Drive verkauft nämlich

keine originären Pink-Theorien, die er aus dem Nichts ersonnen hat. Das Buch sagt selbst,

dass es auf Jahrzehnten Verhaltensforschung aufsetzt. Pink zieht vor allem aus der

Selbstbestimmungstheorie von Edward Dessy und Richard Ryan, aus Theresa Amabilis

Kreativitätsforschung, aus Mihaly, jetzt ist das doch jetzt, also bitte, aus Mihaly

Csikszentmihalys Flowarbeiten und aus der Forschung zu Fehlanreizen und Übermotivationen.

Leute, ich bin so motiviert, diese ganzen Namen richtig auszusprechen, aber puh, wir schreiben sie

euch in die Show Notes. Also er hat auch all diesen Leuten aufgebaut auf ihrer Forschung und er hat

halt die Motivationsforschung übersetzt, damit wir Managertypen die auch verstehen können. Pinks

Leistung war also gar nicht, das Labor zu erfinden. Seine Leistung war, die Management-Folklore

loszustellen. Der Kern von Drive ist relativ brutal. Pink schreibt, es gebe einen gefährlichen

Mismatch zwischen dem, was die Wissenschaft über Motivation weiß und dem, was Unternehmen

tatsächlich tun. Dieses Missverhältnis ist der rote Faden seines Buchs. Unternehmen reden über

Innovation und verhalten sich im Anreizsystem dann oft so, als wollten sie Lagerarbeiter aus dem

Jahre:

Typ X ist extrinsisch getrieben. Der Fokus liegt auf Belohnung, auf Status, auf sichtbarem Ertrag.

Typ I ist intrinsisch orientiert. Der Fokus liegt auf Freiheit, auf Herausforderung, auf Sinn der

Tätigkeit selbst. Und dann setzt Pink einen Satz, der für Führung wichtig ist, weil er jede Ausrede

zerstört.

Typ I, also intrinsisch motiviertes Verhalten, wird gemacht, nicht angeboren.

Das heißt, Motivation ist nicht bloß Temperament. Motivation ist nicht ein Horoskop. Motivation ist

nicht ein Schicksal, mit dem wir auf die Welt kommen, sondern es ist das Ergebnis von Erfahrung,

Kontext und Führungssystem.

Hey, kurze Durchsage. Wenn euch veränderungsstabil gefällt, dann nehmt euch doch mal kurz Zeit und

gebt dem Podcast eine Bewertung auf dem Streaming-Dienst, mit dem ihr gerade hört. Das hilft uns

enorm, weil dann noch mehr Menschen den Podcast entdecken können und so können wir die Community

weiter wachsen lassen. Vielen Dank fürs Unterstützen, vielen Dank fürs Zuhören und jetzt geht's

weiter mit der Episode. Das ist der erste große Lernpunkt für veränderungsstabile Organisationen.

Führung motiviert nicht Menschen. Führung gestaltet Kontexte, in denen Motivation aufblühen oder

absterben kann. Das läuft natürlich voll gegen die Kontrollillusion von Managern, die sagen, wir

müssen jemanden motivieren. Oder die dann zu einem von ihnen geführten Managern sagen, der Müller,

der ist nicht am Performen, du musst den mal besser motivieren. Das ist tief drin und es ist Unfug.

Genau das liegt auch unter der Haube der Forschung von Dessie und Ryan. Ihre

Selbstbestimmungstheorie sagt nämlich, Menschen haben drei grundlegende psychologische Bedürfnisse.

Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit. Werden sie unterstützt? Steigen Selbstmotivation und

wirksames Funktionieren. Werden sie blockiert? dann kippen Motivation und das Wohlbefinden ab. Pink

wiederum übersetzte diese wissenschaftliche Architektur in management-taugliche Trias. Erstens

Selbststeuerung, Autonomie. Zweitens Besserwerden, Mastery. Und drittens Purpose, der Sinn. Das ist

elegant und das ist wirksam. Aber es ist halt auch eine Übersetzung, keine 1 zu 1 Kopie der

Originaltheorie. Darauf komme ich gleich noch zurück, weil genau da auch so eine Grenze von Pink

ist. Aber erstmal zur Sache selbst. Autonomie heißt bei Pink nicht Anarchie. Das heißt

Handlungsspielraum. Kontrolle über Aufgaben. Zeit, Technik, in manchen Fällen sogar über das Team.

Pink betont ausdrücklich, dass mehr Autonomie nicht weniger Verantwortung bedeutet. Das ist ein

Missverständnis, das wir ganz oft in Coaching-Inführungen wiederfinden. Ich will autonomer sein,

heißt ich will weniger Verantwortung haben. Das ist nicht gemeint. Menschen bleiben accountable.

Der Unterschied ist, dass Motivation 2.0 Verantwortung über Kontrolle sucht, während Motivation 3

.0, also das, was Pink propagiert, darauf setzt, dass Menschen Verantwortung eher dann übernehmen,

wenn sie nicht wie Schachfiguren behandelt werden. Und hier wird die Sache für

Veränderungsstabilität dann praktisch. Jede Transformation predigt heute Eigenverantwortung. Viele

Systeme behandeln Menschen aber weiterhin wie Erfüllungsgehilfen. Das Ergebnis ist doch

vorhersehbar. Oben fordert man Ownership, denkt mal wie Unternehmer und unten spürt man direkte

Steuerung. Das ist kein Kulturproblem mit irgendeinem weichen Sinn. Das ist ein Motivationsbruch im

Systemdesign. Der zweite Baustein, den Pink... ist Mastery, das Besserwerden. Pink meint damit

jetzt nicht Wohlfühlfortschritt. Er meint die tiefe Bewegung in etwas besser zu werden, was zählt.

Und er sagt auch klar, dass das weh tut. Mastery tut weh. Lernen tut weh. Mastery braucht Übung,

braucht Disziplin, braucht Feedback, braucht Ausdauer. Wer glaubt, Motivation heißt nur

Begeisterung. Motivation ist nur positiv, ist nur Wohlfühlzeug. Er hat noch nie ernsthaft was

gelernt. Es ist wichtig, weil moderne Organisationen tun gerne so, als müssten Menschen permanent

inspiriert werden, sich permanent wohlfühlen. Müssen sie nicht. Sie brauchen gute Arbeit, sie

brauchen sinnvolle Herausforderungen und die Chance, in ihrer Arbeit sichtbar und für sich selbst

spürbar besser zu werden. Das motiviert. Nicht geschützt zu werden, mitsamt den Schuhen angefasst

zu werden und jede Sache, die irgendwie eklig ist, wird einem als eine dornige Chance verpackt. Der

dritte Baustein ist Purpose, also die Erfahrung, dass Arbeit über die bloße Auszahlung hinaus auf

irgendetwas Größeres verweist. Pink argumentiert, dass eine rein auf Profitmaximierung verengte

Logik menschliche Energie nicht vollständig mobilisiert. Menschen wollen sehen, wem ihre Arbeit

nützt, welchen Unterschied sie macht, warum sie mehr ist als sauber erreichte Zielwerte. Für Change

zum Beispiel ist das zentral, denn Veränderungen scheitern oft nicht an zu wenig Kommunikation,

sondern an der Leere hinter der Kommunikation. Jetzt erlaube ich mir einen Mini-Exkurs und sage,

wir müssen aber aufpassen, dass wir nicht überkompensieren. Nur weil wir verstehen, dass es nicht

reicht zu sagen, du bist hier, um Geld zu verdienen, also sei maximal motiviert, heißt es noch

lange nicht, dass wir jedem Geschäftsmodell und jedem Unternehmen die Weltrettung andichten müssen.

Da gibt es so schräge Dinge und ich war auch schon ansatzweise in so Purpose-Marketing-Dingen

gefangen, wo es dann ein Unternehmen gab und man hat mit Hängen und Würgen versucht,

irgendwie zu konstruieren, wie dieses Unternehmen einen weltrettenden,

die Natur rettenden und kleine Babykatzen glücklich machenden Purpose hat. An der Stelle reicht es

oft zu sagen, naja, der Purpose ist, dass ich mich diesem Unternehmen verbunden fühle.

Der Purpose ist, dass ich bei einer Versicherung arbeite und die Versicherung sorgt dafür, dass

Leute weniger Sorgen haben. Der Purpose ist, dass ich für ein Automobilzulieferer arbeite und wir

sorgen dafür, dass weniger Leute sich das Genick brechen, wenn sie vor die Wand fahren. Also es

muss nicht immer das ganz, ganz große Ding sein. Und bitte nicht überkompensieren. Zwischen, wir

sind hier, um Geld zu verdienen, halt die Klappe und wir retten die Welt, gibt es ganz, ganz viel

dazwischen, was durchaus auf eine intrinsische Motivation und ein Purpose einzahlen kann. Aber

kommen wir mal zum Geld. Pings vielleicht bekanntester Satz aus dem Buch Drive lautet, The best use

of money is to take the issue of money off the table. Also die beste Art, das Geld einzusetzen,

ist es, das Geld vom Tisch runterzunehmen, aus der Diskussion rauszunehmen. Das ist kein Aufruf zu

asketischer Vergütung, sondern eine präzise Führungswarnung. Geld ist wichtig. Geld ist sogar sehr

wichtig. Aber Geld wirkt in unterschiedlichen Zonen unterschiedlich. Innerhalb einer als fair

erlebten Basis dominiert es brutal. Dann frisst es die Aufmerksamkeit, produziert Groll,

Neid. zieht Motivation runter. Oberhalb dieser Fairness-Schwelle verändert es seine Funktion.

Dann ist es nicht mehr der große Antrieb, dann sollte es vor allem aufhören, die Arbeit dauernd zu

kontaminieren. Das ist der Punkt, an dem viele Pink halb lesen und dann Unsinn erzählen. Der erste

Unsinn lautet, Geld spielt keine Rolle. Falsch. Pink schreibt ausdrücklich, dass Motivation dann

abstürzt, wenn Bezahlung nicht ausreichend oder nicht fair ist. Also ich muss dieses Level finden,

dieses Plateau, wo alle sagen, jetzt ist es fair, jetzt passt es. Intern und externe Fairness, die

sind die Voraussetzung. Wer People First redet und dann unfair bezahlt, also unfair im Sinne von

der eine Mensch wird unangemessen bezahlt oder zwischen zwei Menschen ist eine Unfairness, der

braucht auch keinen Motivationspodcast. Der braucht einen Taschenrechner und einen Spiegel, um das

Rückgrat hinzugehen und zu sagen, Leute, da haben wir Mist gebaut. Der zweite Unsinn lautet, Boni

sind immer schlecht. Auch falsch. Link macht die Einschränkung ja selbst. Für Routineaufgaben im

engen Band von Bedingungen können, wenn dann, Belohnungen wirksam sein. Wenn du das tust, dann

kriegst du die Belohnung. Wenn der Weg klar ist, wenn Kreativität kaum gebraucht wird, wenn Fokus

und Takt wichtiger sind als Erkundung, dann können Anreize für Halten lenken. Akkordbezahlung

halten, das ist die nüchterne Seite der Sache. Der dritte Unsinn lautet, Motivation sei einfach

eine Frage von Stimmung. Das trägt auch nicht. Pink hängt tief an der Wissenschaft, die sagt, es

geht um Aufgabentyp, Anreizstruktur, Kontext und die Qualität der Motivation. Nicht jede

Leistungssteigerung ist eine gute Leistung oder eine gute Leistungssteigerung. Nicht jeder Schub

ist nachhaltig und nicht jedes mehr an Einsatz führt auch zwangsläufig zu einem besseren Ergebnis.

Hier schlägt Drive in die Bonusdebatte rein. Pink popularisiert Forschung, die zeigt, gerade bei

kreativen, konzeptionellen, problemlösenden Aufgaben können leistungsabhängige Belohnungen den

Fokus so verengen, dass dann die Qualität sinkt. Seine Management-Übersetzung lautet, wenn-dann

-Belohnungen sind für nicht routinisierte Arbeiten riskant. Er formuliert das im Buch drastisch am

Beispiel kreativer Designarbeit. Ein vorher ausgelobter Bonus für den besten Posterentwurf sei,

Zitat, a recipe for reduced performance, also ein Rezept dafür, dass die Performance sinkt.

Die Logik dahinter wird durch andere Forschung gestützt. Dissi, Köstner, Ryan fassten in ihrer Meta

-Analyse 128 Studien zu extrinsischen Belohnungssystemen und Belohnungen zusammen und hielten fest,

dass gerade greifbare, kontingente Belohnungen, wenn dann Belohnungen, die intrinsische Motivation

untergraben können. Rialik, Nisi, Löwenstein und Mazat zeigten, dass sehr hohe leistungsabhängige

Anreize in ihren Experimenten bei vielen Aufgaben die Leistung sogar verschlechtern konnten.

Mehr Druck. Mehr Geld, mehr Fokus und trotzdem schlechtere Ergebnisse. Genau das ist der Punkt.

Aufwand und Qualität sind keine Zwillinge. Die laufen nicht immer zusammen. Noch nicht länger wird

es in der Meta-Analyse von Cerasoli, Nicklin und Ford. Diese Autoren zeigen,

intrinsische Motivation sagt eher die Qualität von Leistungen voraus, extrinsische Anreize sagen

eher die Quantität voraus. Und beides ist nicht zwingend im Gegensatz, sondern hängt von

Aufgabentyp und Anreizsalienz ab. Also wie sehr wird dieser Anreiz im Alltag positioniert,

dass er einen anspringt? Das ist wichtig, weil es Pink gleichzeitig bestätigt und begrenzt. Ja,

Qualität liebt oft die bessere Motivationsarchitektur. Ja, Anreize können Outputmenge pushen.

Wer daraus aber eine Einheitsreligion macht, hat es halt wieder nicht verstanden. Für die

veränderungsstabile Organisation müssen wir verstehen, welche Anreizsysteme zu dem passen,

was wir erreichen wollen. Es gibt Anreizsysteme, die funktionieren über Bonus, wenn ich

standardisierte Dinge im Akkord in einer hohen Quantität rausdrücken will. Dieselben Anreizsysteme

verhindern aber, dass ich so Dinge wie Innovation mache. Kooperation,

kreative Arbeit. Wir wissen nicht genau für diese Projekte und diese Ausschreibung, wie wir mit den

anderen Abteilungen zusammenarbeiten sollen. Das kriege ich nicht erschlagen mit dieser Art von

Anreizsystem. Im Gegenteil, doch, ich kriege es erschlagen, aber nicht im Sinne von gelöst, sondern

im Sinne von vernichtet. Kommen wir mal zur Zusammenarbeit. Hier wird die Sache für Unternehmen

nämlich richtig unerquicklich. Denn individuelle Boni klingen erstmal harmlos. Ich belohne ja

jemanden, was soll denn passieren? Bis man sich anschaut, was sie in der interdependenten Arbeit

auslösen, also in der Arbeit, wo verschiedene Akteure voneinander abhängig sind. Schon Bersmann

-Kollegen zeigten, dass in Teamaufgaben kompetitive Belohnungsstrukturen eher Geschwindigkeit

fördern, kooperative Strukturen eher Genauigkeit fördern. Das heißt, schon auf der Ebene der

Aufgabendimension verzerren Belohnungssysteme, worauf Teams ihre Energie richten. Noch schärfer

wird es bei Barnes & Kollegen und ja, ihr kriegt alle Quellen in den Shownotes. Deren Studie zu

gemischten Individual- und Gruppenanreizen zeigt nämlich genau den Mechanismus, den viele

Organisationen täglich produzieren. Teammitglieder arbeiten schneller, aber ungenauer,

konzentrieren sich stärker auf ihre eigenen Tasks und vernachlässigen das sogenannte Backing-up

-Behaviour, also das Unterstützen der anderen im Team. Übersetzt der Individual-

Und wir wissen, veränderungsstabile Organisationen sind in der Lage, Kooperation zu fördern und

verbindlich einzufordern. Wenn sie aber gleichzeitig mit individualisierten Anreizsystemen

arbeiten, und wir sehen das ganz oft, dann passiert Folgendes. Ich bin voll traurig, dass die

Abteilungen sich nicht helfen gegenseitig. dass sie sich nicht unterstützen, dass sie sich

blockieren. Ich bin ständig mit Eskalationen beschäftigt, weil es nur noch über höhere Management

-Ebenen und höhere mächtige Menschen geht, dass ich irgendeine Zuarbeit kriege in meiner

Abhängigkeit. Und gleichzeitig sitzt auf der anderen Seite jemand, der sagt, ja, ich meine das ja

nicht böse. Ich habe das mal in einer Organisation erlebt, da hat der Geschäftsführer einen

Bereichsleiter angeprangert und hat gesagt, dein Bereich ist totaler Bremser, ihr helft nie den

anderen Bereichen. Und der Bereichsleiter sagte, ja klar, ich werde hier auf Umsatz meines Bereichs

inzentiviert und wenn ich intern den Kollegen helfe, in der Zeit mache ich keinen Umsatz. Und das

heißt, du willst von mir, auf der einen Seite sagst du mir, ich muss an der Nordsee Urlaub machen,

statt auf Tahiti, weil ich keine Umsätze schreibe, aber auf der anderen Seite bist du traurig, dass

ich genau das Verhalten mache, für das du mich bezahlst. Und dann wird es schwierig. Und dann kommt

der große Überblick. Review von Leonie, Van de Fort und Wood. wertete direkt Vergleiche von

individuellen und kollektiven leistungsbezogenen Entgeltsystemen aus. Ergebnis? Kollektive

Anreizsysteme sind mit höherer Performance verbunden. In keiner Studie übertreffen individuelle

Anreize kollektive Systeme. Einzelbonifizierung ist schlecht für die Performance,

steht hier. Die Autoren sehen Hinweise darauf, dass kollektive Systeme Kooperation und

Ideengenerierung stärken, besonders wenn Aufgaben interdependent sind. Überraschung. Wenn Menschen

voneinander abhängig sind, müssen sie zusammenarbeiten, um das Ziel zu erreichen. Und wenn ich

ihnen eine gemeinsame Belohnungsstruktur gebe, arbeiten sie zusammen. Gebe ich ihnen eine

individualisierte, optimieren sie auf sich selbst und ihre eigenen Ziele und arbeiten nicht mehr

miteinander. Die Autoren sehen Hinweise darauf, dass kollektive Systeme Kooperation und

Ideengenerierung stärken, besonders wenn die Aufgaben interdependent sind. Das ist kein

Freifahrtschein für jede Teamprämie. Aber es ist eine ziemlich klare Ohrfeige für die alte

Managementannahme, Der individuelle Bonus für den Menschen sei der natürliche Königsweg,

sorgt für Transparenz, macht Leute einzeln accountable und verantwortlich und damit steigt dann die

Teamperformance. Und deshalb ist Pink für die veränderungsstabile Organisation so wertvoll. Er

zeigt nicht einfach nur, wie Menschen motiviert werden, sondern er zeigt, wie Systeme Menschen

demotivieren. Und zwar oft mit Instrumenten, die in Führungsausbildungen jahrzehntelang als

professionell verkauft werden und auf die wir zurückfallen, wenn wir etwas erreichen wollen als

Manager. Individualbonus, starre Zielprämie, enge Metrik, Wettbewerb unter Leuten, die eigentlich

kooperieren sollen. Genau solche Systeme können kurzfristig Aktivität erzeugen, aber gleichzeitig

das Gewebe zerstören, auf dem das System aufbaut und das die Veränderung tragfähig macht. Solche

Systeme zerstören Vertrauen, Wissensaustausch, Hilfsbereitschaft, Lernoffenheit, gemeinsame

Verantwortung und übrigens auch eine gemeinsame Identität. Und da kann ich dann 25 Weihnachtsfeiern

machen, mich besaufen gehen oder Paintball spielen gehen. nee, bitte nicht Penfold spielen, gehen

zum Teambuilding, aber diesen ganzen anderen Teambuilding-Schmonzens machen, wenn am Ende des

Tages das Team gar nicht ein gemeinsames Ziel hat und darauf bonifiziert wird, sondern ich dann

wieder auf Einzelbonusebene gehe. Da muss ich mich nicht wundern, dass kein Team entsteht. Und das

ist die Ecke, wo man Pink mit Shine und Arduous verschalten kann. Arduous kommt noch,

Shine hatten wir schon. Edgar Shine hätte gesagt, das Bonusmodell sendet Kultur. Es zeigt,

was hier wirklich zählt. Adjuris hätte gesagt, das System trainiert Abwehr und Schönfärberei,

weil Menschen ihr Gesicht, ihren Score und ihre Zugehörigkeit schützen. Pink setzt davor den

Motivationsscheinwerfer. Wenn du die falschen Reize setzt, braucht dich das System gar nicht mehr

zum Demotivieren. Das läuft schon von alleine. Jetzt aber die Grenzen. Pink ist cool. Pink hat uns

was beigebracht, aber er hat auch Grenzen. Erste Grenze. Pink wird oft gelesen, als hätte er die

gesamte Motivationsforschung in drei englischen Wörtern final destilliert. Das ist nicht so. Hinter

Drive steht vor allem die Selbstbestimmungstheorie mit Autonomie, Kompetenz und Verbundenheit. Pink

macht daraus Autonomy, Mastery and Purpose. Das ist schon klug, vor allem für Manager. Aber es hat

auch einen Preis. Relatedness, also die Verbundenheit, rückt ein bisschen in den Hintergrund. Und

genau das ist ein bisschen heikel, wenn man über Zusammenarbeit und Zugehörigkeit und kollektive

Lernfähigkeit nachdenkt. Zweite Grenze. Wer Pink als Anti-Geld-Guru liest, landet halt auch im

Kindergarten. Die Evidenz ist differenzierte. Anreize können Menge steigern. Sie können Routine

beschleunigen. Sie können auch dort helfen, wo Aufgaben unerquicklich, aber klar strukturiert sind.

Pink sagt es selbst. Zerazoli zeigt empirisch, die Frage ist nicht Bonus, ja oder nein. Die Frage

ist Bonus, wofür? Für welche Aufgabe, in welcher Interdependenz,

mit welchem Nebenwirkungsprofil und vor allen Dingen auch, wer kriegt denn den Bonus? Gebe ich

einem Team einen Bonus für ein Ziel, das sie nur gemeinsam erreichen können? Natürlich fördere ich

damit die Bereitschaft und Motivation zur Zusammenarbeit. Dritte Grenze. Autonomie ist kein

Freifahrtschein. Pink schreibt ausdrücklich, dass Autonomie Accountability nicht abschafft und dass

Organisationen Scaffolding brauchen. Also das sind die Gerüste, Gerüstarbeit,

damit Menschen den Übergang aus kontrollierenden Umgebungen überhaupt bewältigen können. Wer also

aus Drive nur, lass mal alle machen, rausliest, der kriegt keine motivierte Organisation. Der

bekommt nur freundlich dekorierte Überforderung. Vierte Grenze. Motivation ist nicht alles. Ein

Team kann hochmotiviert und trotzdem fachlich dünn, strukturell überlastet oder strategisch

verwirrt sein. Motivation ist nicht alles, auch wenn wir das ganz oft glauben, gerade in der

Führung. Pink liefert keinen Ersatz, wie auch für Kompetenz, für Klarheit, für Priorisierung oder

für sauberes Organisationsdesign. Auch keinen Ersatz für Fachlichkeit. Sein Punkt ist viel härter

und nützlicher. Selbst gute Leute leisten schlecht, wenn das System ihre Motivation falsch rabt.

Was heißt das jetzt praktisch für die Führung und für die UE und für unsere veränderungsstabile

Organisation? Erstens, sortiere Arbeit nach Aufgabentyp. Ist die Arbeit überwiegend routiniert und

regelbasiert? Oder ist sie eher heuristisch, kreativ, sozial verflochten? Solange du diese

Unterscheidung nicht machst, diskutierst du Belohnung blind. Für Routine kannst du enger steuern

und einzeln bonifizieren. Für heuristische Arbeit musst du aufhören, dieselben Werkzeuge zu

missbrauchen, weil sie funktionieren, nicht im Gegenteil, sie schaden. Zweitens, reparier die

Basis, bevor du an der Motivation rumdokterst. Faire, ausreichende Bezahlung. Interne und externe

Fairness. Sonst redet jede Kulturkampagne gegen einen laufenden Lärmgenerator an. Wir versuchen,

die Leute zu motivieren. Wir versuchen, denen schlechte Dinge als gut zu verkaufen. Aber die marode

Basis, die für Unfairness und Ungerechtigkeit und Wettbewerb sorgt, die ist immer noch da. Dann

brauche ich es auch nicht schön zu verpacken. Don't put lipstick on a pig. Ist nicht von Pink. Aber

es passt. Drittens, prüfe Interdependenzen brutal ehrlich. Wenn Wertschöpfung nur gemeinsam

entstehen kann, dann sind individuelle Boni halt eine Fehlkonstruktion. Dann bezahle ich Leute

dafür, das Falsche ernst zu nehmen. Ich bezahle Leute für Abgrenzung. In solchen Kontexten sind

gemeinsame Metriken, Teamziele, bereichsübergreifende Kriterien viel näher an der Wirklichkeit als

irgendwelche Pro-Kopf-Tabellen. 4. Schaffe Autonomie mit Geländer. Gib Menschen Spielraum über

Aufgabe, Zeit, Technik oder Team, wo es Sinn macht. Aber koppel das an klare Verantwortung,

an gutes Feedback und an transparente Erfolgsmessung. Autonomie ohne Orientierung, naja, kippt

halt. Kontrolle ohne Autonomie erstickt. Dazwischen muss die Führung rein. Muss Orientierung in die

Autonomie geben und gucken, dass die Kontrolle so dosiert ist, dass sie nichts erstickt. Fünftens,

baue Mastery Infrastruktur, nicht Eventmotivation. Gute Rückmeldungen, anspruchsvolle Aufgaben,

Lernschleifen, sichtbarer Erfolg, Zeit zum Üben. Wer dauernd von Menschen Spitzenleistungen

erwartet, ihnen aber nur Kontextwechsel, KPI, Quark gibt, naja, der will eigentlich gar keine

Meisterschaft. Der will einfach nur Daueralarm oder nur Krach machen. Der ist viel mehr

interessiert, als Lehrer mit der Peitsche zu knallen, als daran, dass seine Schüler was hinkriegen.

Sechstens, mach den Purpose konkret. Nicht als Poster, nicht als irgendein Weltrettungsblödsinn.

Wir hier in unserer Unternehmensberatung möchten die Welt ein bisschen besseren Ort machen. Eine

Kette von Wirkungen. Wem nützt unsere Arbeit? Was für ein Problem wird hier gelöst? Was verbessert

sich für Menschen, für Kunden, für Kolleginnen, für Bürgerinnen, für Patientinnen, für Nutzer?

Purpose ohne Anschluss zur realen Arbeit ist halt eine Predigt. Da kannst du eine Religion drauf

gründen, aber reicht nicht für die Firma. Purpose mit Anschluss wird zur Energiequelle. Wenn du

Anerkennung gibst, gib sie vorzugsweise hinterher und informationshaltig. Pink unterscheidet ganz

sauber. Vorher ausgelobte Wenn-Dann-Belohnungen können den Blick auf die Prämie verhängen.

Nachträgliche Anerkennung, gutes Feedback und echtes Sichtbarmachen von Leistungen sind weit

weniger riskant. Gerade in kreativer, kollaborativer Arbeit ist das ein ganz gewaltiger

Unterschied. Hintenrum hingehe und sage, ich zeige jetzt Wertschätzung mit diesem

Belohnungsmechanismus. Hier ist das was anderes, als wenn ich die Moorrübe vorher schon raushänge,

weil dann gucken die Leute nur noch auf die Moorrübe. Wenn ich sage, erreicht ihr dieses

Arbeitsergebnis, gewinnt ihr diesen Pitch, schafft ihr dieses Projekt, ankriegt ihr die Moorrübe,

dann kann es schlichtweg einfach sein, dass die Leute nach zwei Monaten nur noch damit beschäftigt

sind, die Moorübe zu kriegen. Und sie haben vergessen, wofür die Moorübe eigentlich steht. Achtens,

beobachte die Demotivatoren. Wissen wird gehortet. Menschen helfen nur noch, wenn es ihrem Score

dient. Ziele werden taktisch interpretiert. Qualität sinkt, zugunsten von Tempo. Kritik wird

leiser. Dann hast du kein Haltungsproblem, sondern eher ein Anreizproblem. Und damit zurück zu

unserer Säule der Veränderungsstabilität. Daniel H. Pink hat uns nicht beigebracht, dass Motivation

Zauberpulver ist. Er hat uns beigebracht, dass Führung ihrer alten Motivationswerkzeuge viel zu

lange mit der Unschuld eines Schraubenziehers benutzt hat, obwohl sie eher wie Säure wirken. Vor

allem in moderner Wissensarbeit, vor allem in Veränderung, vor allem dort, wo Zusammenarbeit nicht

Kür, sondern Produktionsbedingung ist, funktionieren diese alten archaischen Akkord-Arbeitsbonus

-Systeme nicht mehr. Was bleibt also? Erstens. Du kannst äußere Anreize setzen, aber du kannst

innere Motivation nicht wie einen Befehl einschalten. Du kannst nur Bedingungen schaffen oder

Bedingungen zerstören. Die Motivation der Menschen folgt dann. Zweitens, Geld ist wichtig als

Fairness und als Sicherheitsbasis. Danach sollte es aufhören, die Hauptfigur zu sein. Drittens,

individuelle Boni sind in interdependenter, nicht routinisierter Arbeit Gift für die

Zusammenarbeit, für die Lernqualität und für langfristige Leistung. Die Frage lautet also,

welchen Bonus in meiner Organisation habe ich denn eigentlich gerade, der hier Einzelkämpfer

belohnt? Und dann sind wir traurig, dass die Leute nicht zusammenarbeiten. Dann den vielleicht mal

abschaffen, oder? Und das ist es, warum Daniel Pink für mich eine Säule der Veränderungsstabilität

ist. In einer veränderungsstabilen Organisation muss ich in der Lage sein, über Anreizsysteme

nachzudenken. Ich darf nicht auf diese naive Kontrollillusion reinfallen, dass Manager andere Leute

motivieren könnten. Ich darf auch nicht darauf reinfallen zu glauben, wenn jemand nicht tut, was

ich von ihm will, dann liegt das daran, dass er nicht ausreichend motiviert ist und nur

ausreichende Motivation würde helfen und die ausreichende Motivation kommt über Bonus und

Ansprachen vom Chef. All das ist widerlegt, all das ist Unfug. Verhältnisse schaffen Verhalten.

Wenn das Verhalten für mich nicht passt, muss ich gucken, wo das Verhältnis ist, muss gucken, was

motiviert und demotiviert hier und welche Rahmenbedingungen kann ich schaffen. Dann klappt es auch,

zumindest an der Stelle, mit der Veränderungsstabilität. Vielen Dank fürs Zuhören. Das war eine

Säule der Fernungsstabilität. Daniel H. Pink, sein Buch Drive und einmal der Ritt durch die

Motivationsforschung. Wir hängen euch die Quellen in die Shownotes. Vielen Dank fürs Zuhören.

Lasst gerne ein Abo da, ein Like, einen Kommentar. Meldet euch auf LinkedIn oder über andere Kanäle

wie immer und bis zum nächsten Mal. Ciao.

About the Podcast

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Veränderungsstabil
Was Menschen und Organisationen können müssen, um in einer wilden Welt erfolgreich und radikal gelassen zu sein.

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Holger Heinze

Holger Heinze ist Vorstand der O’Donovan Consulting AG. Seit 1999 arbeitet er mit Teams und Führungskräften an Kultur, Beziehungen, Geschäftsmodellen und Prozessen. Dabei hat er internationale Konzerne und NGOs beraten, wie auch kleine Start-ups, Profisportler und Einrichtungen der öffentlichen Verwaltung.

Er hat seit seiner ersten (unbeabsichtigten) Unternehmensgründung 1999 u.a. mehrere Digitalagenturen und Unternehmensberatungen, eine Baumarktkette, eine Kartoffelchipsfabrik und einen nachhaltigen Online-Shop gegründet und geführt. Er hat als Restaurant- und Hoteltester, Hochschuldozent, Straßenmusiker, Fotograf und Entwicklungshelfer, Interimsmanager und Gründercoach gearbeitet und im Auftrag des BMBF erforscht, welche Schlüsselkompetenzen Menschen für die digitalisierte Arbeitswelt benötigen und wie wir sie uns am besten aneignen können.

Der Wirtschaftsinformatiker ist Chartered Manager des CMI, zertifizierter Change Manager, Requirements Engineer, OKR und SCRUM Master. Er hat auf Fuckup- und TedX-Veranstaltungen gesprochen.
Heute trainiert, coacht und berät er Menschen und Organisationen mit Hilfe der Dramafreiheit, damit sie ihre Ziele erreichen, Veränderungen erfolgreich umsetzen und generell in der wilden Welt veränderungsstabil sind.

In seiner Freizeit spielt er gerne mit seinen beiden Kindern und seinen Gitarren und versucht, aus Escape Rooms zu entkommen.